Grafische Industrie verliert weiter an Boden
Der dpsuisse-Index zeigt für das erste Quartal 2026 einen Produktionsrückgang von 5.7 Prozent. Die Schere zur übrigen Schweizer Industrie öffnet sich weiter.
Der dpsuisse-Index für das erste Quartal 2026 dokumentiert einen markanten Produktionsrückgang in der grafischen Industrie der Schweiz. Gegenüber dem Vorquartal sank der nominale Produktionswert um 5.7 Prozent, gegenüber dem Vorjahresquartal um 7.6 Prozent. Das Produktionsniveau liegt damit noch bei rund 632 Millionen Franken pro Quartal.
Deutliche Divergenz zur Gesamtindustrie
Aufschlussreich ist der Vergleich mit der übrigen Schweizer Industrie. Während diese Ende 2025 rund 114 Prozent ihres Vor-Covid-Niveaus erreichte, lag die grafische Industrie zu Jahresbeginn 2026 bei lediglich 74 Prozent. Die beiden Verläufe driften seit Jahren auseinander. Die aktuelle Entwicklung ist damit kein allgemeines Konjunkturphänomen, sondern Ausdruck eines branchenspezifischen Strukturwandels.
Klassischer Printbereich unter Druck
Vor allem der Zeitungsdruck musste in den ersten drei Monaten 2026 kräftig Federn lassen. Hinzu kommt der erneut erstarkte Schweizer Franken, der grafische Dienstleistungen aus dem Ausland preislich attraktiver macht. Lichtblicke gab es bei den Exporten, die nach den Einbrüchen im zweiten Halbjahr 2025 wieder zulegten, sowie bei der Stabilisierung der Vorleistungsbezüge, etwa bei den Papierimporten. Die Produzentenpreise für grafische Erzeugnisse gingen leicht zurück (-0.3 Prozent gegenüber dem Vorquartal). Bei den Papierpreisen war die Entwicklung uneinheitlich: Nach einem ungewöhnlich starken Rückgang zum Jahresende 2025 stiegen die Importpreise im ersten Quartal wieder um rund vier Prozent.
Die Risiken bleiben erheblich. Sollte die Blockade der Strasse von Hormus anhalten, drohen über höhere Transport- und Chemikalienkosten erneute Preissteigerungen bei Papier und Druckchemikalien. Auch eine konjunkturbedingt schwächere Nachfrage ist nicht auszuschliessen.
Struktureller Befund: 0.16 Prozent
Der längerfristige Blick zeigt die volle Dimension. Der Bruttoproduktionswert der Branche ist von 7.1 Milliarden Franken um die Jahrtausendwende auf zuletzt 3.0 Milliarden gesunken. Der Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Produktion beträgt nur noch 0.16 Prozent, gegenüber 0.75 Prozent im Jahr 2000. Die Beschäftigung halbierte sich im selben Zeitraum von 28'700 auf 11'800 Vollzeitäquivalente. Die Vorleistungsquote liegt bei knapp 58 Prozent und damit weiterhin deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt, ein Hinweis auf die dünnen Margen in der Wertschöpfungskette.
Stabiler Arbeitsmarkt
Trotz der schwierigen Lage zeigt sich der Arbeitsmarkt robust. Die Arbeitslosigkeit in der grafischen Industrie lag im März 2026 leicht unter dem Vorjahreswert. Kurzarbeit war gemäss den vorliegenden Daten kaum ein Thema. Die Unternehmen halten ihre Belegschaften und investieren in den fortlaufenden Strukturwandel, in dem die Anpassung der Geschäftsmodelle, die Weiterentwicklung der Berufsbildung und der gezielte Kompetenzaufbau zentrale Stellgrössen bleiben.