Zukunft Höhere Berufsbildung
Ein spannendes Projekt als Wegweiser für die höheren Berufsabschlüsse von dpsuisse.
Kurzbeschrieb
Die Berufsfeldanalyse untersucht, wie sich die Berufe in der grafischen Industrie und in verwandten Bereichen verändern. Sie zeigt, welche Kompetenzen heute und in Zukunft wichtig sind. Grundlage sind Auswertungen von Dokumenten, Gespräche mit Fachleuten und Rückmeldungen aus der Branche. Die Ergebnisse machen deutlich, wo Chancen und Herausforderungen liegen. Sie geben Hinweise, wie die eidgenössischen Prüfungen modernisiert und besser aufeinander abgestimmt werden können – praxisnah und zukunftsorientiert.
Ziel
Die eidgenössischen Prüfungen sollen aktualisiert und besser aufeinander abgestimmt werden. Gemeinsam genutzte Inhalte und Module sollen Synergien schaffen und die Ausbildung effizienter machen. Der Fokus liegt auf Kompetenzen, die in der Praxis und in Zukunft gefragt sind.
Ergebnis Workshop 1
Am Workshop mitte September 2025 trafen sich Vertreterinnen und Vertreter von dpsuisse, dem Verband Werbetechnik und Print und imagingsuisse, um die zukünftige Positionierung der Berufe zu diskutieren. Im Zentrum stand die Überarbeitung des übergeordneten Kompetenzmodells (üKm), das durch fehlende Kompetenzen ergänzt werden soll. Zudem wurde die Abgrenzung zwischen den Kompetenzen selbst sowie den Lerneinheiten auf Umsetzungsebene geklärt. In den Diskussionen zeigte sich, dass einerseits gemeinsame Inhalte sinnvoll in übergreifenden Lerneinheiten behandelt werden können, andererseits aber auch spezifische Schwerpunkte in separaten Lerneinheiten bestehen bleiben müssen.
Bezüglich der höheren Fachprüfungen bestand Einigkeit, dass deren Zusammenführung als erster Schritt umgesetzt werden soll. Insbesondere Führungsthemen eignen sich für gemeinsame Lerneinheiten. Offengelassen wurde, ob eine HFP mit Fachrichtungen oder drei separate HFP mit gemeinsamen Modulen verfolgt werden soll.
Für die Berufsprüfungen zeigte sich eine komplexere Ausgangslage: Es zeichnen sich sechs Profile ab, deren Berufstitel klar erkennbar bleiben müssen. Dabei ist noch zu klären, wie stark die Handlungskompetenzen granuliert sein sollen.
Ein zentrales Ergebnis des Workshops war der Beschluss, dass die drei Verbände künftig eng zusammenarbeiten, um die Positionierung der Berufe weiterzuentwickeln. Die nächsten Schritte und Verantwortlichkeiten werden in den Verbänden abgestimmt und zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt.
Ergebnis Workshop 2
Zwischenfazit und Ergebnisse Berufsprüfungen
Die Branche hat Bedarf an sechs unterschiedlichen Profilen, die sich vor allem in ihren Kernkompetenzen unterscheiden. Gleichzeitig bestehen zahlreiche gemeinsame Ressourcen – Kenntnisse und Fähigkeiten –, die gemeinsam unterrichtet werden können.
Teilweise sind die Absolventenzahlen gering. Einige Prüfungsordnungen sowie Wegleitungen sind veraltet und müssen revidiert werden.
Gegenüber den heutigen acht Berufsprüfungen gibt es folgende Unterschiede: «Typograf:in für visuelle Kommunikation» und «Techno-Polygraf:in» sind hier zusammengefasst, haben jedoch auch unterschiedliche Kompetenzen. Die «Betriebsfachleute Druck- und Verpackungstechnologie» und «Spezialist:in Printmedienverarbeitung» wurden zusammengeführt, da es bereits in der Vergangenheit aufgrund zu geringer Nachfrage nötig war, Interessenten für den «Spezialisten Printmedienverarbeitung» in den Vorbereitunglehrgang der «Betriebsfachleute Druck- und Verpackungstechnologie» zu schicken. Dies ergibt eine Reduktion von acht auf sechs Profile.
Zwischenfazit Höhere Fachprüfungen
Die HFP sollen gemeinsam und zeitnah weiterentwickelt werden, da hier das grösste Potential zur Zusammenarbeit gesehen wird. Es gibt diverse Überschneidungen, die in generalistischen Modulen umgesetzt werden können. Zusätzlich gibt es einzelne spezifische Module. Vorbereitend auf die HFP wird jeweils ein spezifisches Vernetzungsmodul ausgearbeitet.
Je nach HFP gibt es 1 bis 2 spezifische Module. Beispielsweise sind Kalkulationen Branchenspezifisch und können so in separaten Modulen angeboten werden.
Die Höhere Fachprüfung Publikationsmanager wird als einzige dieser drei regelmässig durchgeführt.
Die Arbeitsgruppe ist sich einig: es wird eine einzige gemeinsame Prüfungsordnung ausgearbeitet. Ergänzend wird es je nach Berufsprofil eine Fachrichtungen geben: Werbetechnik, Fotografie und Medienmanagement.
Berufstitel HFP
Die Branchenvertreter betonen erneut, dass die Profile einen starken Bezug zur Branche haben müssen, um vom Markt anerkannt zu werden, und dass die künftigen Berufstitel klar erkennbar sein müssen. Die Titel müssen noch definiert werden.
Zahlen und Fakten
- 11 eidgenössische Prüfungen wurden untersucht: 3 Höhere Fachprüfungen (HFP) und 8 Berufsprüfungen (BP)
- Rund 15 Interviews mit Fachleuten aus der Branche
- Analyse von mehr als 30 relevanten Dokumenten
- Laufzeit des Projekts: 2024–2026
- Beteiligte Verbände: dpsuisse, VWP, imagingswiss
Zwischenfazit Branchenanhörung
Die Branchenanhörung wurde im März 2026 in Form einer breit angelegten Online-Befragung durchgeführt. Insgesamt wurden über 2000 Personen aus allen Landesteilen eingeladen, differenziert nach Berufs- und Höheren Fachprüfungen.
Es gibt folgende Ergebnisse
Bedarf der BP und HFP:
Für die meisten Berufs- und Höheren Fachprüfungen wird eine gleichbleibende bis leicht sinkende Nachfrage erwartet. Gleichzeitig zeigt sich bei vielen Befragten Unsicherheit hinsichtlich der langfristigen Entwicklung. Unabhängig vom erwarteten Bedarf werden die Weiterbildungen überwiegend positiv bewertet. Viele Befragte würden ihre Prüfung erneut absolvieren oder weiterempfehlen. Der wahrgenommene Karriereeffekt variiert jedoch stark zwischen den einzelnen Abschlüssen.
Aktualität der BP und HFP:
Die Inhalte werden insgesamt als eher aktuell bis sehr aktuell eingeschätzt, abhängig vom jeweiligen Revisionsdatum. Gleichzeitig zeigen sich Trends und Herausforderungen, die im Rahmen künftiger Revisionen aufzugreifen sind. Dazu zählen steigende Anforderungen an digitale, methodische und analytische Kompetenzen, verstärkt durch Automatisierung und KI, sowie zunehmende Arbeitskomplexität, Fachkräftemangel und wirtschaftlicher Druck.
Erwartungen an Weiterbildungen:
Gefragt sind praxisnahe, flexible, berufsbegleitende und modulare Angebote. Zeitliche Flexibilität, Kosten, mögliche Subventionen, die eidgenössische Anerkennung sowie formale Nachweise wie Zertifikate beeinflussen die Teilnahmeentscheidungen wesentlich.
Module und Modulbaukasten:
Ein modularer Aufbau wird grundsätzlich unterstützt. Schulen sehen trotz eines hohen Koordinationsaufwands beträchtliche Synergiepotenziale. Bei den Berufsprüfungen stehen fachliche Vertiefungen im Vordergrund, bei den Höheren Fachprüfungen insbesondere Führungs- und Managementkompetenzen.
Positionierung und Zusammenführung der HFP:
Die Zusammenführung der Höheren Fachprüfungen wird insgesamt vorsichtig positiv bewertet. Der hohe Anteil unentschiedener Rückmeldungen weist auf weiteren Klärungs- und Konkretisierungsbedarf sowie auf einen erhöhten Kommunikationsbedarf hin.
Weitere Infos zum Projekt:
Seraina Roth, seraina.roth@dpsuisse.ch