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Lesekompetenz: Jetzt handeln ist angezeigt

Geschrieben von viscom | 08.09.2026, 16:12:12

Die Schweiz schneidet bei PISA 2025 im Lesen erneut besser ab als der OECD-Durchschnitt. Der Blick auf die eigene Entwicklung zeigt jedoch eine deutliche und anhaltende Verschlechterung. 2015 lag der Wert noch bei 492 Punkten, 2025 sind es noch 470. Es handelt sich damit nicht um einen einzelnen schwachen Jahrgang, sondern um einen kontinuierlichen Rückgang über zehn Jahre.

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei den leistungsschwachen Jugendlichen. Mittlerweile erreichen 28,8 Prozent der Schweizer Schülerinnen und Schüler die definierte Mindestkompetenz im Lesen nicht mehr. Auch dieser Wert liegt zwar unter dem OECD-Durchschnitt, bedeutet aber, dass fast jede dritte Jugendliche und jeder dritte Jugendliche in der Schweiz nur unzureichend lesen kann.

dpsuisse weist seit Jahren darauf hin, dass das Medium beim Lesen eine massgebliche Rolle spielt. Diese Position stützt sich auf breite wissenschaftliche Evidenz. Die Stavanger-Deklaration, verfasst von rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus ganz Europa, fasst eine Metastudie mit 54 Einzelstudien und über 170'000 Teilnehmenden zusammen: Das Verständnis längerer Sachtexte ist beim Lesen auf Papier nachweislich stärker als auf dem Bildschirm, insbesondere unter Zeitdruck. Wer digital liest, neigt zudem dazu, das eigene Verständnis zu überschätzen, was zu mehr Überfliegen und weniger Konzentration auf den Text führt.

Aktuelle Forschung aus Deutschland bestätigt dieses Muster. Eine Studie mit Primarschulkindern der 4. bis 6. Klasse beschreibt einen sogenannten Screen-Inferiority-Effekt: Digital gelesene Texte werden schlechter verstanden und behalten als gedruckte, auch wenn Wortschatz und Worterkennung vergleichbar sind. Eine zweite Studie mit 249 Primarschulkindern zeigt, dass eine analoge Leseförderung über sechs Monate kleine, aber konsistente positive Effekte auf die Lesekompetenz erzielt, während eine digitale Förderung deutlich uneinheitlicher wirkt.

PISA selbst benennt keine Ursachen für den Rückgang der Lesekompetenz. Die Forschung zum Medium liefert jedoch einen wichtigen Hinweis, der bei der Suche nach griffigen Massnahmen nicht fehlen darf.

dpsuisse appelliert an die Kantone, ihre Digitalisierungsstrategien in den Schulen zu überdenken und dem Lesen auf Papier den notwendigen Raum zu lassen. Der gute internationale Vergleichswert darf nicht zur Beruhigung führen, denn der eigene Trend zeigt klar in die falsche Richtung. Wer die Lesekompetenz nachhaltig stärken will, kommt am gedruckten Schulbuch nicht vorbei.