Die IOP entwickelt unter Mitwirkung des Bundesverbandes Druck und Medien e.V. (bvdm) und der europäischen Druckföderation Intergraf ein sogenanntes «Vertical» für UCP. Damit fliessen die Anforderungen der Druckindustrie von Anfang an in den Standard ein. Für dpsuisse-Direktor Beat Kneubühler ist klar: «Wer den Standard mitschreibt, definiert die Spielregeln. Schweizer Druck- und Kommunikationsbetriebe sollen nicht zuschauen, sondern mitgestalten.»
Was UCP ist
Google hat UCP am 11. Januar 2026 an der NRF-Konferenz in New York vorgestellt. Der offene Standard ermöglicht KI-Agenten, Produkte direkt in Googles AI Mode und in der Gemini-App zu kaufen, ohne Umweg über eine Händler-Website. Mitentwickler sind unter anderem Shopify, Etsy, Walmart und Target. Über 20 globale Unternehmen, darunter Visa, Mastercard und Stripe, unterstützen das Protokoll.
Warum UCP für Print nicht funktioniert
UCP wurde für den Einzelhandel mit festen Artikelnummern und Preisen gebaut. Druckprodukte werden individuell konfiguriert, brauchen Druckdaten-Upload, Preflight, Softproof-Freigaben und dynamische Produktionsplanung. Nichts davon kennt die aktuelle UCP-Spezifikation. Hinzu kommt der Rechtsraum: In der Schweiz besteht für Online-Käufe nach Obligationenrecht kein allgemeines gesetzliches Widerrufsrecht (Art. 40a ff. OR gilt nur für Haustürgeschäfte und vergleichbare Situationen). In der EU gilt ein Widerrufsrecht von 14 Tagen, das nach Art. 16(c) der Richtlinie 2011/83/EU bei personalisierten Produkten entfällt. UCP muss beide Logiken abbilden.
Markt und Marktchance
Der Online Generated Print Turnover im DACH-Raum liegt bei 8,1 Milliarden Euro mit einem Wachstum von 9,2 Prozent im Jahr 2025. Erste UCP-Implementierungen im Einzelhandel zeigen Conversion-Raten rund 28 Prozent über dem klassischen Such-Traffic.
Was die IOP entwickelt
Ein dediziertes UCP-Vertical für Print mit dynamischer Produktkonfiguration, Druckdaten-Upload und Preflight, Softproof-Workflows, dynamischer Lieferzeitberechnung und einer Checkout-Logik, die unterschiedliche Rechtsräume abbildet. Erweiterungen sind vorgesehen für Nachhaltigkeit (CO₂, FSC/PEFC), EUDR-Compliance, Variable Data Printing und B2B-Rabatte.
Warum jetzt
UCP ist Open Source und lädt explizit zu Branchenbeiträgen ein. Kein anderer Industriezweig hat bisher ein Vertical vorgeschlagen. UCP ist in Europa noch nicht gestartet. dpsuisse nutzt das Zeitfenster, um die Schweizer Perspektive früh einzubringen.
„Dass sich die Druckindustrie eines ganzen Kontinents über Länder- und Verbandsgrenzen hinweg unter einem Dach zusammenfindet, um den Zugang zu den AI-getriebenen Absatzmärkten von morgen zu sichern, ist mehr als ein strategisches Bündnis – es ist ein Bekenntnis. Dass wir mit dpsuisse einen weiteren starken Partner an unserer Seite wissen, begrüßen wir als IOP gemeinsam mit bvdm und Intergraf ausdrücklich: Gerade in stürmischen Zeiten gestalten wir die Zukunft unserer Branche nicht jeder für sich, sondern Schulter an Schulter."
Bernd Zipper, Vorsitzender der Initiative Online Print e.V.